Vita

Geburtshaus in Chorzów, früher: Königshütte

Hanna Schygulla wurde 1943 in Königshütte im heutigen Polen geboren. 1945 müssen sie und ihre Mutter Oberschlesien jedoch ​mit einem der letzten Flüchtlingszüge Richtung Westen verlassen. Als 1948 ihr Vater aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, bekommen sie eine Wohnung in München.

 

Nach dem Abitur geht sie für ein Jahr als Au-pair-Mädchen nach Paris. 1964 beginnt sie in München ihr Studium in Philologie. Nebenbei nimmt sie Schauspielunterricht und begegnet in der Schauspielschule Rainer Werner Fassbinder. Mit ihm und dem Musiker Peer Raben und anderen gründet sie 1968 das legendäre „antiteater“ und spielt bis 1969 in zahlreichen Fassbinder-Inszenierungen.

 

Ihre erste Filmrolle spielt sie in Jean-Marie Straubs Kurzfilm „Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter“. 1969 spielt sie erstmals in einem Fassbinder-Film: „Liebe ist kälter als der Tod“ und erhält dafür (1970) sowie für „Götter der Pest“ sowie „Katzelmacher“ das „Filmband in Gold“. Ein weiteres „Filmband in Gold“ nahm sie für „Whity“ (1970) und „Mathias Kneissl“ (1970/1971) entgegen.

 

Mit der Serie „Acht Stunden sind kein Tag“ (1972/73) wird Hanna Schygulla auch im Fernsehen populär. Ihr größter Kinoerfolg „Effi Briest“ ist zugleich Fassbinders bis dahin erfolgreichster Kinofilm.

 

Es folgen Angebote auch anderer renommierter Regisseure: 

  • Vojtech Jasny „Ansichten eines Clowns“ (1975) nach Heinrich Böll, 
  • Wim Wenders „Falsche Bewegung“ (1974/75), 
  • Volker Schlöndorff „Die Fälschung“(1981) und
  • Margarethe von Trotta „Heller Wahn“ (1982)

 

Für das Nachkriegsmelodram „Die Ehe der Maria Braun“ (R. W. Fassbinder) erhält sie 1978 den Bundesfilmpreis und einen silbernen Bären in Berlin. Der Film sorgt – wie auch die ein Jahr später entstandene „Lili Marleen“ – für den internationalen Erfolg ihrer Karriere. So dreht sie mit Jean-Luc Godard „Passion“, mit Ettore Scola „Flucht nach Varennes“ und Carlos Saura in „Antonietta“ (alle 1982). Für ihre Arbeit bei Marco Ferreri in „Die Geschichte der Piera“ erhält sie 1983 in Cannes den Darstellerpreis. 

 

Es folgen u. a. 

  • „Die Zukunft heißt Frau“ (1984) von Ferreri,
  • „Eine Liebe in Deutschland“(1983) von Andrzei Wajda,
  • „Schatten der Vergangenheit“ (1991), von Kenneth Brannagh,
  • „1001 Nacht – Die Träume des Monsieur Cinéma“ (1994) von Agnes Vardas,
  • „Werkmeisters Harmonien“(2000) von Bela Tarr,
  • „Das gelobte Land“ (2004) von Amos Gitai und
  • „Faust“ (2009). Von Alexander Sokurov. 

 

1990 und 1991 nimmt Hanna Schygulla als Protagonistin an zwei von Garcia Marquez geschriebenen und auf Kuba gedrehten Filmprojekten teil:

  • “Der glückliche Sommer der Frau Forbes“(Regie: Umberto Hermosillo) und 
  • “Ich verleihe mich zum Träumen“(Regie: Ruy Guerra). 

 

Ihre Zuwendung zum jungen deutschen Film beginnt 

  • 2004 mit „Die blaue Grenze“ (Till Fanzen),
  • 2005 „Die Winterreise“(Hans Steinbichler)und
  • 2006 „Auf der anderen Seite“ (Fatih Akin), für den sie den Schauspielerpreis der American Critics Guild erhielt.

 

Zu den wichtigsten Begegnungen ihrer Bühnenlaufbahn (die übrigens parallel zu ihrer filmischen Laufbahn bereits 1968 mit R. W. Fassbinder begann), gehören jene mit 

  • Peter Stein(1972), 
  • George Tabori (1979 u 1987)
  • Klaus Michael Grüber (1995),
  • Michael Fondheim (1997),
  • Margarethe von Trotta (1999)

 

sowie mit den beiden Franzosen

  • Claude Stratz (1997) und 
  • Julie Brochen(2000). 

 

Die in Kuba ausgesprochen populäre Theatermacherin Alicia Bustamante betreute fast alle Soloprojekte von Hanna Schygulla.

 

Seit 1997 entwickelt Hanna Schygulla – nach eigenen Konzepten, aber meist in Zusammenarbeit mit namhaften Musikern – immer wieder Soloprogramme, die sie an verschiedenen europäischen Bühnen aufführt: 

  • “Quelque soit le songe“ (1997, Musik:J.M.Senia), 
  • “Kronos-Kairos“ (1998, Musik: Markus und Simon Stockhausen), 
  • „Moi…Pas Moi“(1999) Text: E. Jelinek/J. Cl. Carrière), 
  • “Bertold Brecht … Hier und jetzt“ (2ooo, Musik: K.Weil und H.Eisler), 
  • „Elle…Louise Brooks“ (2oo1 Musik: Roberto Tricarri), 
  • “Borges und Ich“ (2002 Musik: alte argentinische Tangos und neue Tangos von Peter Ludwig),
  • „Traumprotokolle“ (2003 Musik: J.M.Senia), 
  • „Aus meinem Leben“, eine musikalische Biographie“ (2005 Text: H. Schygulla mit Songs aus verschiedene Epochen ihres Lebens). 

 

Aus Anlass ihres 60igsten Geburtstages widmete das Museum of Modern Art in New York im Juni 2004 eine Retrospektive. Die bei dieser Gelegenheit erstmals veröffentlichte Sammlung ihrer selbst verwirklichten Kurzfilme „Traumprotokolle“ wurde ins Archiv der Avantgardefilme des MoMA aufgenommen.

 

2004 im Herbst erschien im renommierten Kunstbuchverlag „Schirmer und Mosel“ das Schygulla-Text- und Bildalbum „Du … Augen wie Sterne“.

 

2010 erhielt Hanna Schygulla auf der Berlinale den Goldenen Bären für ihr gesamtes Filmschaffen.
2013 erscheint auf der Frankfurter Buchmesse Hanna Schygullas Autobiografie: „Wach auf und träume“ (Verlag Schirmer und Mosel).

 

2014 ermöglichte die Berliner Akademie der Künste Hanna Schygulla die Installation ihrer Kunstvideos unter dem Titel „Traumprotokolle“.

 

Text: © Daniel Philippen/Hanna Schygulla

Bild: © CC BY-SA 3.0, Paweł Drozd Drozdp

Eine ausführliche Schilderung ihres Lebens finden Sie in Hanna Schygullas 2013 im Verlag Schirmer Mosel veröffentlichten Buch Wach auf und träume. Die Autobiographie 

ISBN: 978-3829606585